ein wenig frischen Wind in die Ansaugstutzen der Mopeds bringen und nicht immer auf den selben Strecken herumgurken


Da heuer Sardinien höchstwahrscheinlich nicht stattfinden wird (Sardinien 2016 ist über die Bühne gegangen, jedoch braucht ihr nicht nach dem Bericht zu suchen, es hat sich leider kein Autor finden lassen) planten wir eine kleine, aber agile Tour. Wohin? Natürlich nach Italien, wo der Asphalt noch Asphalt bleiben darf, und nicht wie in Österreich eine lärmarme glatte Oberfläche, die sich in die Kategorie Tiefbau zuordnen lässt und Kurven noch Kurven sein dürfen und nicht durch alle möglichen Beschilderungen zugunsten der Rennleitung entschärft sind. Naja, egal jetzt zur Tour:

Dabei waren: Benny, Franz, Manu, Hannes, Mike, Michi, Coco und Rob die sich am Donnerstagvormittag samt Gepäck und vollgetankten Mopeds trafen. Konservierungslack von den neuen Reifen kratzend ging es bei herrlichen Sonnenschein und angenehmen Temperaturen über den Dunkelsteinerwald, Scheibbs, am Hochkar vorbei, durch das Gesäuse – wo der Asphalt auch schon mal bessere Zeiten gesehen hat, nach Admont. Die L713 Richtung Trieben überraschte uns schlagartig mit ihrem ausgezeichneten Asphalt und schöner Straßenführung – abrupt roch es nach verbrannter Weißbuche unserer Knieschleifer. Die paar übersichtlichen Kurven in den Hohen Tauern führten uns zur Turracherhöhe und auf der anderen Seite nach Kärnten und Villach. Das Jugendhotel Egger bot uns ein Dach über den Kopf und warme Betten. Den Abend samt Grillfeier verbrachten wir bei Freunden, die zufällig auf einem Campingplatz am Rande des Getümmels am Faakersee waren, wo die Ausläufer des GTI Treffens wüteten. – ROUTE –
 
Am Freitag trennte sich die Gruppe, Michi und Mike fuhren heimwärts und der Rest der Partie rauschte weiter nach Süden Richtung Staatsgrenze. Nach einem durchaus hoffnungslosen Boxenstopp beim Ginzinger in Villach, aufgrund einer inkontinenten Gabel bei der BKing und unseres naiven Optimismus diesen wieder dicht zu bekommen, ging es mit einem unguten Gefühl Richtung Arnoldstein und nach Italien. Zweimal links abbiegen nach Slowenien, über Bavsica, wo der Asphalt sehr rissig aber griffig ist und wieder zurück nach Italien und Tarcento – dann über die Bundesstraße SS13 Richtung Norden zu den Pforten der Dolomiten. Ab Ampezzo wurden die Reifenflanken auf Temperatur gebracht. Jede Menge geile Streckenabschnitte mit wenig Verkehr bescherten uns viel Freude am Fahren. Nach Cortina hinauf am Passo di Giau durften wir mit jeder Menger Artgenossen, ob einspurig oder mehrspurig, motorisiert oder muskelbetrieben, rechts- oder linksfahrend, zügig oder langsam,….Bekanntschaft machen. Ein paar Schnappschüsse von den Felsen und Klippen durften natürlich nicht fehlen bevor der Weg uns über die engen und steilen Haarnadelkurven nach unten führte. Abseits der Hauptrouten für Tourenfahrer schlängelten wir uns bis nach Bozen vor, immer mit Vorderrad zum Kurvenscheitelpunkt zeigend, einer halbwegs akzeptablen Schräglage – zügig aber ohne viel Risiko. Dann kam der Nachmittagsverkehr in Bozen auf uns zu. Mit allen Tricks und dynamischer Ausnutzung jedes Quadratzentimeters schaufelten wir uns durch die Blechlawinen Meter für Meter vorwärts mit dem Ziel, die durchgestrichene Ortstafel „Bozen“ zu erblicken. Die Route führte uns zwischen den Weingärten zur Kalterer Höhe, den Mendel hoch, die vom Asphalt und Kurvenradien her überaus optimal waren. Dann kam noch der Passo Tonale, der ebenfalls 1A zum Fahren ist. Bei Ponte di Legno nahmen wir den letzten Pass in Angriff. Auf einer Fahrbahnbreite von ca. 3m schlichen wir uns mit sicherem Tempo, immer auf der Lauer nach Gegenverkehr, den 2652m hohen Gavia Pass hoch – Italiens dritthöchster Pass mit atemberaubender Aussicht. Hinunter auf der anderen Seite wurden Kilometer auf dem Tachozähler gespart, indem wir uns im Silentmode hinunterrollen ließen. Ein gut ausgewachsener Hirsch fiel sogar auf unsere Anpirschversuche rein. In Santa Caterina wurden die Motoren wieder gestartet und die paar Kilometer von den 550 der Tagestour, bis nach Bormio absolviert. Dort bezogen wir unser Appartment und gönnten uns eine richtig feine italienische Pizza. Ein sehr anstrengender sonniger Tag mit 6 Pässen, 550km und 11 Stunden Gashahn-auf Gashahn-zu ging vorüber. – ROUTE –

 
Der Samstagmorgen startete mit einer Schraubersession in der Garage der Pension. Bennys BMW zickte wie ein spätpubertierendes Mädchen, in Form von allen möglichen Fehlermeldungen. Als erste Maßnahme steckten wir den PowerCommander ab, löschten mit dem GS911 alle Fehler und sie schnurrte wie ein Kätzchen. Mit einer Stunde Verspätung und einem weiteren Wehwehchen in der Partie ging es Richtung Süden nach Tirano, wo wir die Grenze in die Schweiz passierten. Der Berninapass mit seinen geilsten Kurven und gröbsten Asphalt diente uns als Spielwiese für „kleine Jungs auf großen Mopeds“. Danach ging es streng nach StVO Richtung St. Moritz, weiter Marmorera Pass und nach Davos, wo sich dann auf den langweiligen überfüllten Landstraßen mit Tempo 80 die Lust langsam minderte. In Liechtenstein glaubten wir, dass es nicht mehr schlimmer kommen könnte, als wir zwischen 23 und 34km/h und 30°C Hitze durch die betonübersäte Innenstadt fuhren. Es kam schlimmer: in Bludenz Kurs auf die Silvretta Hochalpenstraße genommen, nach 30km bei Tempo 60km/h standen wir vor geschlossenen Schranken und einer sturen aber doch freundlichen Dame, die uns trotz 15min bezirzen nicht hinauf ließ. Der absolute Tiefpunkt war erreicht, als uns dann bewusst wurde, dass wir uns die ganze Strecke nach Bludenz zurückquälen mussten und dann als einzige Alternative die S16 mit 80er Beschränkung zur Weiterfahrt diente. Na egal… als Trostpflaster nahmen wir den Arlberg mit seinen 5 Kehren mit und den Kühtai, wo uns der Längentaler Speicher mit 8°C Wassertemperatur eine erfrischende Bademöglichkeit bot. Die Tour führte uns nach Innsbruck. Noch schnell in die Brennerfalle getappt, als wir die Abfahrt Patsch nehmen wollten und uns ein Schranken mit der Aufschrift „MAUT“ im Weg stand. Der Römerhof in Igls bot uns dann die Unterkunft für die Nacht. – ROUTE –
 
Am Sonntagmorgen brachen wir nach einem reichhaltigen Frühstück die Heimreise an. Über die A13 fuhren wir ins Zillertal und nahmen den Gerlospass mit seinen 4583 Kanaldeckeln und durchaus ausgelutschtem Asphalt als Abschlusspass der Tour mit. 6€ der netten Dame beim Schranken in die Hand gedrückt – wozu? weiß keiner! ist halt in Österreich mal so. Dann begann die unendlich lange Fahrt der Überholmanöver, auf den elendslangweiligen Bundesstraßen bis nach Bischofshofen, wo es dann auf der B99 Richtung Radstadt interessant wurde. Ein paar Kurven führten uns noch über die B166 zum Hallstätter See und weiter zum Traunsee. Nach einer kurzen Badesession trennte sich die Gruppe vom Coco, der den kürzesten Weg nach Hause nahm. Für den Rest hieß es Arschbacken zusammen kneifen und die Fahrt über die langweiligen oberösterreichischen Bundesstraßen überleben. In Melk trennten wir uns vom Franz, der das linke Donauufer für die Heimfahrt nutzte. In Mautern war es dann für alle endgültig Schluss mit der Tour. – ROUTE –
 
Fazit: Es war eine überaus anstrengende Tour mit viel Sitzfleischzerstörungspotential, aber wir wollten keinem der 1916km, 15 Pässe, knappe 40 Stunden Fahrtzeit, 11 Tankstellenbesuche, 2 Pannen und zigtausend Höhenmeter über noch mehr Kurven verteilt, missen.

 

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